Toilettenschüssel im Badezimmer
08.10.2020

Warum habe ich ständig Durchfall?

Text: Verena Radlinger

Jeder von uns hatte sicher schon einmal Verdauungsprobleme, wie Durchfall, Übelkeit oder Verstopfung. Durchfall, Übelkeit & Co. sind zwar kein sehr schönes Thema, aber das Verdauungssystem zu verstehen ist enorm wichtig.

Ja, eigentlich haben wir es in der Schule gelernt, aber wer kann sich an das noch genau erinnern? Deshalb gibt’s hier die Kurzfassung der Aufgaben der einzelnen Organe:

  • Der Mund ist zuständige für die mechanische Verkleinerung der aufgenommenen Nahrung.
  • Im Magen wird die Nahrung durch den extrem säurehaltigen Magensaft verdaut und zu Speisebrei verarbeitet.
  • Erst im Dünndarm gelangen die wichtigen Nährstoffe ins Blut.
  • Dabei wird er von der Bauchspeicheldrüse und Leber unterstützt.
  • Im Dickdarm zersetzen Bakterien den unverdaulichen Rest.
  • Mit dem Stuhl werden Wasser, Bakterien und Nahrungsreste ausgeschieden.
  • Die Duftstoffe Indol und Skatol bestimmen den Fäkalgeruch.

Wir starten also im Mund. Die Zähne zerkleinern das Essen und der Speichel mit dem Enzym Amylase trennt schon mal die ersten chemischen Verbindungen. Kleiner Fakt am Rande, täglich produzieren wir in etwa eineinhalb Liter Speichel. Die Zunge hilft beim Zerkleinern und schiebt den Speisebrei weiter zur Speiseröhre. Dort wird mit dem sogenannten Gaumensegel und dem Kehlkopfdeckel verhindert, dass die Nahrung in die Luftröhre gelangt.

In der Speiseröhre angekommen kommt es zu Kontraktionen um das Essen zum Magen zu befördern. Mit diesem Reflex öffnet sich auch der Mageneingang. Um die Speiseröhre vor dem Magensaft zu schützen verschließt er sich sofort wieder sobald alles seinen Platz gefunden hat.

Der salzsäure- und enzymhaltige Magensaft macht sich jetzt an die Eiweißverdauung. Rund zwei Liter Magensaft produziert der Körper täglich. Bis das der Speisebrei gut zersetzt ist kann es von etwa einer Stunde bis zu ganzen sechs Stunden dauern. Je fettiger das Essen ist umso schwerer ist es für den Magen. Fettiges Essen liegt also wirklich schwer im Magen. Ist der Brei im Magen gut mit den Säften vermischt, beginnt der Magen sich ringförmig einzuschnüren. Auch er bewegt sich ganz automatisch wellenförmig, sogar wenn er leer ist.

Was passiert im Darm?

Die Darmwand im Dünndarm ist mit unzähligen sogenannten Darmzotten ausgestattet. Diese sind wiederum mit einem feinen Netzwerk an Gefäßen verbunden, die die Nährstoffe an die Blutbahn abgeben. Dazu besprüht die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) den Speisebrei mit Enzymen und alkalischen Säften. Die gelbe Galle unterstützt den Verdauungsprozess zusätzlich besonders bei fettigen Speisen.

Der säurehaltige Magensaft ist aber nicht einfach so verschwunden, sondern wird vom Schleim aus den sogenannten Becherzellen neutralisiert. Diese unglaublichen Schleimmengen sorgen auch dafür, dass der nicht verwendete Brei in den Dickdarm weiter rutscht. Dort zersetzen nun die Darmbakterien den unverdaulichen Rest, das sind etwa 10 Prozent der aufgenommenen Nahrung. Zur Sicherheit bleibt er noch weitere 12 Stunden im Darm sollten doch noch Nährstoffe auftauchen. Wieder kommt eine Menge Schleim dazu, damit der „Abtransport“ leichter ist. Die stetigen Wellenbewegungen formen den Darminhalt und es kommt zu einer reflexartigen Kontraktion des Muskels am Ende des Darms. Gleichzeitig erschlafft der Schließmuskel, der sonst alles gut unter Verschluss hält. Wir beginnen automatisch zu pressen und unterstützen damit die Entleerung unseres Darms.

Das hochkomplexe System des Verdauungstrakts arbeitet eigenständig und folgt im Gegensatz zu den meisten anderen menschlichen Organen nicht immer den Befehlen des Gehirns. 90 Prozent der Informationen gehen vom Darm durch den sogenannten Vagusnerv an das Hirn und nur zehn Prozent sendet das Hirn an den Darm.

Durchfall, Übelkeit & Co.

Jetzt wird’s ungemütlich: Verdauungsstörungen wie Verstopfung (Obstipation), Durchfall (Diarrhö), Blähungen (Flatulenzen) oder funktionelle Störungen treten auch bei gesunden Personen durch unterschiedlichste Ursachen gelegentlich auf. Störungen innerhalb des Darms können durch falsche Ernährungsgewohnheiten auftreten, aber auch durch Infektionen verursacht sein. Die normale Stuhlfrequenz ist sehr unterschiedlich und kann von dreimal täglich bis dreimal wöchentlich variieren. Von einer Obstipation spricht man, wenn die Entleerung seltener erfolgt und mit hartem Stuhl eher schwierig ist. Die Verstopfung ist in erster Linie eine Zivilisationskrankheit der westlichen Industriestaaten. Einseitige, ballaststoffarme Ernährung, unzureichende Flüssigkeitszufuhr und zu wenig Bewegung sind die Hauptursachen für eine träge Verdauung. Auch bestimmte Arzneimittel können eine Obstipation hervorrufen. Eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung ist die beste Möglichkeit, um einer Obstipation vorzubeugen. Besteht dennoch eine chronisch funktionelle Obstipation, können Quellstoffe eine gute Hilfe darstellen. Diese enthalten nichtresorbierbare Ballaststoffe. Dazu gehören Leinsamen, Flohsamen und Weizenkleie oder die löslichen Ballaststoffe Inulin, Oligofruktose, Pektine und Guar, die auch als Präbiotika fungieren.

Durchfall wird als solcher definiert, wenn beim erwachsenen Menschen mindestens drei (bei Kindern mehr als fünf) Entleerungen pro Tag von sehr weichem bis flüssigen Stuhl erfolgen, wobei die Stuhlmenge deutlich erhöht ist. Akuter Durchfall wird meist durch bakterielle Infektionen (vor allem durch die Bakterien Clostridium difficile und E. coli, Salmonellen, Shigellen), Infektionen durch Viren (zum Beispiel Rotaviren, Noroviren), Bakterientoxine, Protozoen oder Würmer hervorgerufen. Weitere mögliche Ursachen sind Unverträglichkeiten von Nahrungsmitteln und Arzneimitteleinnahme.

Wie man am besten gegen die ungemütlichen Probleme vorgeht, finden Sie in unserer YOLO Printausgabe vom 9. Oktober 2020.

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