sportliche Frau läuft draußen in kurzer Hose und Tank-Top
06.10.2020

Das macht Bewegung mit Ihrem Körper

Text: Ursula Mitteregger

Warum tut uns Bewegung so gut? Dass wir uns vor allem nach körperlicher Betätigung viel wohler fühlen als vorher (oder auch dabei), ist allseits bekannt. Aber welche Vorgänge sind es, die in uns durch Bewegung in Gang kommen? Wir nehmen das Wunderwerk Körper genauer unter die Lupe und klären auf, was es mit den positiven Auswirkungen von Bewegung auf sich hat.

Bewegung macht Ihren Körper geschmeidig

„Nur in der Bewegung, so schmerzlich sie sei, ist Leben.“ Das Zitat stammt von Jacob Burckhardt, einem Schweizer Humanisten und Kulturhistoriker aus dem 19. Jahrhundert. Und auch wenn Bewegung nicht unbedingt schmerzlich sein muss, um sich lebendig zu fühlen, ist die Aussage, dass Bewegung im Grunde Leben bedeutet, maßgeblich. Denn so ist es! Jede Art von Bewegung aktiviert Ihren Stoffwechsel, Gelenke ernähren sich und Muskeln, Bänder und Sehnen bleiben funktionsfähig – und werden je nach Belastungsintensität bzw. Trainingsreiz sogar noch leistungsfähiger.

Durch die Bewegung werden unsere Muskeln aktiv. Genauer werden diese kontrahiert und wieder entspannt, so, wie es die jeweils beabsichtigte Bewegung erfordert. Dafür verantwortlich sind die kontraktilen Proteine Aktin und Myosin, die sich bei Kontraktion ineinander schieben und wieder in ihre Ursprungsposition zurück bewegen, sobald sich der Muskel entspannt. Durch jede Muskelaktivität werden die sogenannten Osteoblasten in den bewegten Knochen dazu angeregt, diese noch stärker zu machen. Das geschieht, damit sie der Belastung, die auf sie einwirkt, standhalten können. 

Je nachdem wie geschmeidig Ihnen eine Bewegung oder ein Bewegungsablauf beispielsweise beim Tanzen oder aber auch beim simplen Gehen gelingt, können Sie daraus Rückschlüsse ziehen, wie gut Ihre Faszien in Schuss sind. Faszien sind Bindegewebe, die vorrangig aus Wasser, Kollagen, Zucker-Eiweißverbindungen sowie verschiedenen Klebstoffen bestehen. Wie der deutsche Name schon sagt, verbinden sie uns unsere Körperteile miteinander beziehungsweise grenzen sie auch voneinander ab, wo es notwendig ist. 

Auch Ihre Gelenke halten Sie durch Bewegung in Schuss. Und vielmehr noch: sogar ausschließlich durch Bewegung. Denn spannend ist, dass sich ein Knorpel einzig und allein durch Bewegung ernähren kann. Im Detail betrachtet, aktiviert sämtliche Bewegung unsere Gelenkschmiere, die sogenannte Synovia, die einerseits Aufpralle aufs Gelenk abfedert. Andererseits werden dadurch auch Nährstoffe in den Knorpel gedrückt und Abfallprodukte wieder raus transportiert, was schlussendlich die „Ernährung“ eines Gelenks ausmacht. Darüber hinaus regt Bewegung auch die Produktion jener Knorpelzellen (Chondrozyten) an, die notwendig sind, damit das Gelenk überhaupt funktionstüchtig bleibt. Wie recht also Jacob Burckhardt hat! Ohne Bewegung keine Ernährung – und folglich auch kein Leben.

Bewegung macht Sie schlau

Für jede körperliche Betätigung braucht Ihr Körper mehr Sauerstoff als im Ruhezustand. Ihr Körper benötigt ihn, um dem höheren Energiebedarf gerecht zu werden. Der große Vorteil dabei: Nicht nur Ihre Muskulatur, sondern auch Ihr Gehirn wird dadurch besser durchblutet. Es ist mittlerweile bekannt, dass ausdauernde Bewegung 100 Prozent mehr Sauerstoff in den Kopf transportiert. Das macht uns wach, lässt uns besser denken und hält unsere Nervenzellen im Gehirn in Schuss. Das wiederum reduziert das Risiko jemals an Demenz zu erkranken deutlich. Schwedische Forscher haben herausgefunden, dass die Wahrscheinlichkeit an Alzheimer zu erkranken oder eine Demenz zu entwickeln durch zweimal wöchentliche körperliche Betätigung um 60 Prozent reduziert werden kann. 

Dass uns Bewegung auch glücklich macht, liegt an der Ausschüttung vieler Glückshormone.
Dass uns Bewegung auch glücklich macht, liegt an der Ausschüttung vieler Glückshormone.

Bewegung macht Sie glücklich – und wie wichtig Kohlenhydrate dafür sind

Nach Bewegung fühlen wir uns besser. Warum ist das so? Verantwortlich dafür sind eine Reihe an Botenstoffen, die unweigerlich bei körperlicher Betätigung ausgeschüttet werden. Allen voran sind das Serotonin, das auch als das Glückshormon schlechthin bekannt ist, und Dopamin. Serotonin nimmt einen besonderen Stellenwert ein, denn dessen Produktion und die Tatsache, dass es überhaupt wirken kann, können wir durch unsere Nahrung beeinflussen. Ja, sie lesen richtig! Um Serotonin im Körper herzustellen, benötigt unser Körper nämlich Tryptophan. Tryptophan ist eine essenzielle Aminosäure, d. h. sie kann vom Körper nicht selbst hergestellt werden, sondern muss über die Nahrung zugeführt werden. Tryptophan ist beispielsweise in Milchprodukten, Eiern und Kartoffeln enthalten. Hat der Körper ausreichend Tryptophan zur Verfügung, dann kann es der Körper dazu verwenden, im Gehirn bei Bedarf Serotonin aufzubauen. 

Um ins Gehirn zu gelangen muss Tryptophan die sogenannte Blut-Hirn-Schranke überwinden, was durch einen Aminosäurentransporter erreicht werden kann. Jedoch konkurrieren alle großen Aminosäuren (die sogenannten BCAA) sowie das Tryptophan um diese Verbindungsstellen. Schließlich möchten sie alle ins Gehirn und gewährleisten, dass unsere „Schaltzentrale“ optimal versorgt ist. „Nehmen wir nun Kohlenhydrate zu uns, kann das Verhältnis zwischen den großen Aminosäuren und Tryptophan am Aminosäurentransporter zugunsten des Tryptophans verändert werden“, erklärt Katrin Fischer, Ernährungswissenschafterin und Expertin für Sport und Ernährung in Wien. Denn: „Kohlenhydrate bewirken, dass vermehrt Insulin ausgeschüttet wird und infolgedessen die großen Aminosäuren in die Muskulatur gelangen, mit Ausnahme des Tryptophans. Somit kann das Tryptophan nun konkurrenzlos ins Gehirn transportiert werden und für die Serotonin-Produktion zur Verfügung stehen”, so Fischer. 

Der zweite Hauptverantwortliche, dass wir uns nach Bewegung glücklicher fühlen, ist Dopamin. Dieses Hormon gilt als der Lern- und Motivationsstoff. In Studien wurde bereits vor 30 Jahren herausgefunden, dass körperliche Aktivität zu einem schlagartigen Anstieg von Dopamin im Körper führt. Dopamin treibt uns also dazu an, Herausforderungen anzugehen. Meistern wir diese, so stimmt uns das unweigerlich glücklich.

Weiters werden bei Bewegung auch Endorphine freigesetzt. Sie wirken, wie Serotonin und Dopmain, schmerzstillend und stimmungsaufhellend. Außerdem regulieren sie das Hungergefühl und die Produktion von Sexualhormonen.

Durch Bewegung nehmen Sie ab – oder wie Fettverbrennung wirklich funktioniert

Ganz simpel betrachtet, ist die Fettverbrennung eine Möglichkeit der Energiebereitstellung für unseren Organismus. Sind wir in Bewegung, oder vielmehr noch, strengen wir uns körperlich an, benötigen wir folglich auch mehr Energie. Soweit, so gut. Wie weiß jedoch unser Körper, was dafür zu tun ist? „Durch körperliche Betätigung werden Hormone und Enzyme ausgeschüttet, die den höheren Energiebedarf signalisieren. Durch fettspaltende Enzyme, sogenannte Lipasen, werden Fettsäuren aus dem Gewebe freigesetzt und stehen vor allem den Muskelzellen als Energieträger zur Verfügung”, erklärt Katrin Fischer. 

Um aber genauer zu verstehen, warum die Fettreserven nur bei bestimmten Voraussetzungen zur Energiegewinnung angezapft werden, ist ein tieferer Blick in die chemische Zusammensetzung notwendig: Sowohl Kohlenhydrate als auch Fette setzen sich chemisch aus den gleichen Bestandteilen zusammen, nämlich Kohlenstoff, Sauerstoff und Wasserstoff. Ihr einziger Unterschied ist, dass sie darin eine unterschiedliche Länge aufweisen. Während Kohlenhydrate sechs Kohlenstoffatome aufweisen, sind es hingegen bei Fetten meist deutlich mehr. Und diese Länge liefert den entscheidenden Unterschied, wenn es darum geht, schnell Energie im Körper zur Verfügung zu stellen. Da Kohlenhydrate in ihrer chemischen Zusammensetzung weniger komplex sind, können sie auch für die Energiebereitstellung schneller als Fette zur Verfügung stehen.

Fettverbrennung: Mindestens 30 min ausdauernd bewegen?

Stimmt also die gängige Empfehlung, dass Ausdauereinheiten mindestens 30 min durchzuführen sind, um Fett zu verbrennen? Zum Glück nicht ganz! Warum dies gerne empfohlen wird und ab wann die Fettverbrennung wirklich in Gang kommt, erfahren Sie in unserer YOLO-Printausgabe, die am 9. Oktober 2020 erschienen ist. Darin erfahren Sie übrigens auch, wie die Fettverbrennung im Detail funktioniert und warum die Aussage, dass Fett verbrannt wird, nur teilweise richtig ist. Die Printausgabe können Sie hier bestellen.

Bewegung: Ein absoluter Allrounder für unser Wohlbefinden

Ob es nun die bessere Stimmung, die höhere mentale Leistungsfähigkeit, psychische  Widerstandsfähigkeit oder Fettverbrennung ist, Bewegung wirkt sich in der Tat auf allen Ebenen unseres Daseins positiv aus. Bewegung bedeutet nicht nur Leben, so wie es schon Jacob Burckhardt formuliert hat, sondern vielmehr sogar ein besseres Leben, als es ohne Bewegung der Fall wäre, was schlussendlich das Wesentliche ist. Also, tun Sie sich doch etwas Gutes und bewegen Sie sich!


Quellen:

  • Beck Frieder, 2014, Sport macht schlau, Mit Hirnforschung zu geistiger und sportlicher Höchstleistung, Goldegg Verlag
  • Grillparzer Marion, 2007, Körperwissen, Entdecken Sie Ihre innere Welt, Gräfe und Unzer Verlag, München

 

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