Nahaufnahme Frau hält ein Glas Wasser und Medikamente
08.10.2020

Ernsthaft?
Ernährung gegen Kopfschmerz?

Text: Verena Radlinger

Klingt komisch ist aber so – Fehlen dem Gehirn bestimmte Nährstoffe können diese negative Auswirkungen hervorrufen und Kopfschmerzen begünstigen. Schnell wird zur Schmerztablette gegriffen. Womöglich hilft aber auch eine richtige Ernährung. Ausprobieren heißt die Devise!

Sowohl Migränepatienten als auch Personen mit Spannungskopfschmerzen geben Hunger und das Auslassen von Mahlzeiten als akute Auslöser an. Empfehlenswert sind für Betroffene daher drei ausgewogene Mahlzeiten pro Tag und das Meiden von zuckerhaltigen Kohlenhydraten, Süßgetränken und Weißmehlprodukten. Auch Durst darf als Schmerzauslöser nicht unterschätzt werden. Viele Beschwerden bessern sich beim Ausgleich eines zuvor bestehenden Flüssigkeitsdefizits. Einen interessanten Zusammenhang gibt es zwischen Salzkonsum und Migränekopfschmerzen. Frauen mit Migräne hatten in Untersuchungen einen doppelt so hohen Salzkonsum wie empfohlen. Offenbar kommt es durch vermehrte Salzaufnahme zu einer Beeinflussung des Flüssigkeitsdefizits.

Empfohlen wird Kopfschmerzpatienten eine Einschränkung von Omega-6-Fettsäuren. Im Gegenzug kann die Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren gesteigert werden. Eine wichtige Rolle zur Vorbeugung von Kopfweh dürfte Folat spielen. Eine folatarme Ernährung erzeugt nämlich durch erhöhte Homozysteinspiegel im Gehirn eine „cortical spreading depression“, also eine sich ausdehnende elektrische Nervenerregung, die auf einer Übererregbarkeit im Nervengewebe basiert. Bestimmte Nahrungsbestandteile gelten als Auslöser von Kopfschmerzen. Dazu zählen Nitrite als Konservierungsmittel in verarbeiteten Fleischwaren und Natriumglutamat als Geschmacksverstärker, die zum Beispiel in Knabbereien und anderen hochverarbeiteten Nahrungsmitteln enthalten sind. All diese Dinge können das Auftreten von Kopfschmerzen begünstigen.

Vorsicht also bei Fertiggerichten und auch bei der Kost aus asiatischen Restaurants!

Ernährungstipps auf den Punkt gebracht

  • Normalgewicht: Studien zeigen, dass bei Übergewicht ein 75-prozentiges Risiko für eine chronische Migräne besteht. Aber Achtung: Auch Untergewicht kommt als Trigger in Frage. Das Risiko erhöht sich für Menschen, die zu wenig Gewicht auf die Waage bringen, um 20 Prozent.
     
  • Regelmäßige Mahlzeiten wirken sich in der Vorbeugung günstig aus. Das Auslassen von mehreren Mahlzeiten pro Tag kann als Trigger einer Attacke fungieren.
     
  • Eine leichte pflanzenbetonte Kost führt Studien zufolge zu geringeren Beschwerden während einer Migräneattacke.
     
  • Der Fettanteil der Nahrung sollte moderat sein. Omega-3-Fettsäuren wirken sich aufgrund ihrer antientzündlichen Wirkung günstig auf die Gesundheit und den Entspannungszustand aus.
     
  • Attacken begünstigen können nach derzeitigem Wissensstand auch Zitrusfrüchte, Alkohol, Käse, Tomaten, geräucherte Produkte und Dosenfisch oder Dosenfleisch.
     
  • Genauso ist es auch bei verarbeiteten Fleischprodukten wie Wurst.
     
  • Eine sogenannte Eliminationsdiät kann helfen auszutesten welche mit großer Wahrscheinlichkeit nicht als Auslöser von Migränekopfschmerzen in Frage kommen. Danach werden schrittweise mögliche migräneauslösende Produkte in den Speiseplan integriert, und das Befinden dazu wird notiert.
     
  • Magnesium kann die Beschwerden im Rahmen einer Migräne erleichtern.
     
  • Die American Academy of Neurology und die Amerikanische Kopfschmerzgesellschaft (American Headache Society) haben Vitamin B2 (Riboflavin) als möglicherweise effektiv in der Vorbeugung einer Migräne beschrieben. Vitamin B2 ist u. a. wichtig für einen gesunden Energiestoffwechsel. Es kommt sowohl in pflanzlichen als auch in tierischen Lebensmitteln vor. Die mengenmäßig wichtigsten Lieferanten sind Milch und Milchprodukte, gefolgt von Brot und Obst. Vitamin B2 ist vor allem in den Randschichten und im Keim des Getreides enthalten, weshalb Vollkornprodukte eine gute Vitamin B2 Quelle sind. Außerdem ist es in Nüssen, Pilzen, Ölsaaten und Hülsenfrüchten enthalten.
     
  • Eine folsäurereiche Kost, das heißt mit viel grünem Blattgemüse, Weizenkeimen, Hülsenfrüchten, Nüssen, etc., ist empfohlen, um die Frequenz und Schwere der Kopfbeschwerden zu reduzieren.

 


Quellen:

  • Hofmann L, Ernährung im Fokus 1–2/2017
  • Bunner AE., et al., Nutrition intervention for migraine: a randomized crossover trial. J Headache Pain 2014; 15:69
  • Bic Z., et al., The influence of a low-fat diet on incidence and severity of migraine headaches. J Womens Health Gend Based Med; 8(5):623–30
  • Ferrara LA., et al., Low-lipid diet reduces frequency and severity of acute migraine attacks. Nutr Metab Cardiovasc Dis 2015; 25(4):370–5
  • Gazerani P, Migraine and Diet. Nutrients 2020; 12:1658. DOI:10.3390/nu12061658
  • Hindiyeh NA., et al.,The Role of Diet and Nutrition in Migraine Triggers and Treatment; Headache 2020; 60(7):1300–16
  • Abu-Salameh I., et al., Migraine exacerbation during Ramadan fasting. J Headache Pain 2010; 11:513–7

 

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