Frau mit grünem T-Shirt hat einen großen Schweißfleck in den Achseln
07.10.2020

Schwitzen:
Nicht feucht, sondern nass!

Text: Verena Radlinger

Er ist glitschig, klebrig und riecht schlecht. Die Rede ist vom Schweiß und der hat definitiv keinen guten Ruf. Er sorgt dafür, dass sich Flecken mit Salzrändern unter unseren Achseln bilden und dass wir von Haltegriffen abrutschen. Was kann man gegen übermäßiges Schwitzen tun und was ist überhaupt eine Hyperhidrose?

Der menschliche Körper verfügt über rund zwei Millionen Schweißdrüsen. Das Schwitzen brauchen wir um die Temperatur im Körper zu regeln. Männer haben im Schnitt etwa 2,5 Millionen Schweißdrüsen in der Haut. Frauen liegen mit "nur" 1,8 Millionen Schweißdrüsen ein wenig darunter. Der Schweiß besteht aus einer salzhaltigen Flüssigkeit, enthält Mineralstoffe wie Kalzium und Magnesium, aber auch körpereigene Abwehrstoffe. Wann und in welchem Ausmaß die Schweißdrüsen aktiv werden, regelt das vegetative Nervensystem. Mit seinem sympathischen und parasympathischen Anteil ist es für die überwiegend unwillkürlich ablaufenden Körperfunktionen wie etwa Verdauung, Kreislauf, Atmung, Stoffwechsel, Wärme- und Energiehaushalt verantwortlich.

Internationalen Statistiken zufolge müssen von 100 Menschen 1 bis 5 Prozent dieses Übel durchleben. Grob geschätzt soll es in Österreich ein Viertel der Bevölkerung sein. Im Gegenteil zur verbreiteten Annahme sind Männer dieses Mal wirklich ein bisschen stärker betroffen. (Nicht so wie beim Männerschnupfen). Zwar steht es bei den Betroffenen 50:50, schwitzen Männer aber stärker als Frauen. Japanische Wissenschafter haben festgestellt, dass der weibliche Körper natürlicherweise weniger Wasser enthält und sich dadurch vor Austrocknung vorsichtshalber schützen will. Auch das haben wir wieder der Evolution zu verdanken, wie gesagt Männer mussten Männer größere Anstrengungen aushalten.

Was ist jetzt diese Hyperhidrose?

Ja eine übermäßige Schweißabgabe ist für uns unangenehm und wir schämen uns dafür, aber es war ein sehr wichtiger Schritt in der Evolution. Es erhöhte zwar die Gefahr zu viel Flüssigkeit zu verlieren, aber der Körper konnte gekühlt werden musste er große Anstrengungen aushalten. Der Urmensch musste ja schließlich oft weite Strecken zurücklegen um Nahrung zu sammeln oder beim Jagen seiner Beute nachjagen. In unserer heutigen Zeit brauchen wir diese Entwicklung zwar nicht mehr unbedingt doch können wir ohne nicht leben. Aber es gibt auch die übermäßige Schweißsekretion die Hyperhidrose genannt wird. Dabei wird zwischen der primären und sekundären unterschieden. Bei ersterer liegt keine Erkrankung vor, der zweiten können die Ursachen von Infekten über hormonelle Probleme bis hin zu schweren Auslösern reichen.

Die primäre Hyperhidrose kann den gesamten Körper betreffen, in den meisten Fällen ist der betroffene Bereich jedoch eingrenzbar. Meistens sind es die Hände, die Füße, die Achseln und das Gesicht. Die Crux beginnt meist schon im frühen Erwachsenenalter, wobei auffällig ist, dass es nicht nur bei hoher Umgebungstemperatur und bei körperlichen Tätigkeiten zu vermehrter Schweißsekretion kommt. Erst im Schlaf hört das Schwitzen der Achseln und der Hand- und Fußflächen typischerweise auf. Es handelt sich gewissermaßen um ein Ungleichgewicht zwischen dem vom Körper ausgesendeten Reiz und dem Ausmaß der Schweißproduktion. Eine besonders unangenehme Form der Hyperhidrose ist die Bromhidrose, bei der es zu starkem Körpergeruch kommt. Klarerweise verstärkt sich der Geruch bei mangelnder Körperhygiene.

Eine Sonderform stellt das Geschmacksschwitzen (gustatorische Hyperhidrose oder Frey-Syndrom) dar. Diese entsteht oft schon während des Essens und wird besonders durch gewürzte Speisen gefördert.

No go’s beim Essen:

  • Scharfe Gewürze wie Pfeffer, Chilischoten, Peperoni, Senf oder Curry sollten Sie vermeiden, diese erweitern die Gefäße und erhöhen den Herzschlag, wodurch der Körper mehr Schweiß produziert.
  • Auch sollten Koffein und Alkohol stark reduziert werden. Klar ist ein Kaffee am Tag kein Problem, aber der Muntermacher ist nicht zu unterschätzen. Das gleiche gilt bei Alkohol und Nikotin. Alle drei wirken anregend und sorgen dafür, dass die Schweißproduktion angekurbelt wird.
  • Wie fast immer ist Übergewicht auch nicht gerade günstig. Zwar hängt es nicht unmittelbar zusammen, aber im Gegensatz zu normalgewichtigen Menschen reagiert der Körper hier anders auf Anstrengung und schwitzt mehr. Deshalb kann auch eine Gewichtsreduktion gegen eine übermäßige Schweißproduktion vorbeugen.
  • Der nächste Tipp (den wir fast nicht mehr hören können) trinken Sie genügend. Viele Betroffene schränken die Flüssigkeitszufuhr ein aus Angst noch mehr zu schwitzen. Dabei strahlen gutgefüllte Blutgefäße mehr Wärme ab und helfen so die Körpertemperatur zu regulieren.
  • Ist uns heiß greifen wir automatisch zu eisgekühlten Getränken und Nahrungsmittel. Diese müssen dann aber erstmal auf Körpertemperatur aufgeheizt werden, dazu ist viel Energie und Anstrengung nötig – warm kühlt besser.

Was zieh ich an?

Vorteilhaft ist lockere und luftdurchlässige Kleidung aus Naturmaterialen wie Wolle, Baumwolle oder Hanf. Diese beugen nicht nur dem Schweißdrang vor, sondern auch Hautreizungen. Als kurzfristige Maßnahme, zum Beispiel vor einem wichtigen Termin oder anderen Stresssituationen gibt es sogenannte Achselpads. Unterwäsche und Strümpfe et cetera sollten aus einem Material sein, die die Wärme nach außen ableiten. Beides sollte täglich gewechselt werden und wenn nötig auch mehrmals täglich. Frauen kennen und lieben ihn, den Zwiebellook. Am Morgen ist es kalt, untertags heiß und am Abend kommt der Wind. Mit dem Zwiebellook also mehreren verschiedenen Schichten hat man zu jeder Situation die passende Zusammensetzung des Outfits. Was fehlt uns jetzt noch? Genau die Schuhe. Bei Schweißfüßen sind durchgehende Lederinnensohlen unumgänglich. Welche aus Gummi, Kunststoff oder anderen Materialen sollten vermieden werden. Haben die Lieblingsschuhe keine, gibt es sicher passende Einlagen im Schuhgeschäft. Am besten beugen komplette Echtlederschuhe mit einer durchgehenden Ledersohle vor. Schuhe öfters wechseln und auslüften, lassen den Schweißgeruch verschwinden. Im Sommer sollten Sandalen bevorzugt werden oder Sie gehen einfach barfuß. Durch die Stimulation der Fußsohlen wird die Aktivität der Schweißdrüsen reguliert.

Was kann ich selber tun?

  • Täglich duschen: Jeden Tag sollte mindestens einmal geduscht werden, am besten mit pH-neutralen Duschgel oder Seife. Beim Abtrocknen sollten die oft schwitzenden Bereich zwar gut aber sanft abgetrocknet werden.
  • Adé Achselhaare: In den Achselhaaren können sich Bakterien sammeln und auch vermehren. Dadurch wiederum werden ungünstige Stoffe abgegeben. Also keine Haare – keine Bakterien!
  • Kampf gegen den Geruch: Deodorantien mit einer antibakteriellen Wirkung können den Schweißgeruch reduzieren und überdecken. Geachtet werden sollte hier aber auf so viele natürliche Inhaltsstoffe wie möglich.
  • Training für die Drüsen: Wer keine Vorerkrankungen hat sollte regelmäßige in die Sauna gehen oder Sporteln. Ja die Drüsen lernen dadurch wirklich.
  • Wasserkuren: Nicht nur für schöne Beine ohne Cellulite oder für einen guten Kreislauf eignen sich Kalt-Warm-Duschen oder Kneipp-Güsse für Arme und Beine. Ein wohltuendes Vollbad mit Sole-, Moor- oder Heublumenzusätzen sind empfehlenswert.

Mit Pflanzen gegen den Schweiß

Spitzenreiter Salbei 

Der Echte Salbei (Salvia officinalis) ist die Nummer 1 unter den pflanzlichen Mitteln gegen übermäßiges Schwitzen. Seine Inhaltstoffe wie ätherische Öle (u.a. Cineol, Borneol und Thujon), Flavonoide (für die Farbgebung der Pflanzen verantwortlich und schützen sie vor schädlichen Umwelteinflüssen) sowie Phenolacrylsäuren (wie Rosmarinsäure). Diese Stoffe können schweißhemmende, antibakterielle und/oder entzündungshemmende Einflüsse auf unseren Organismus haben. Salbei kann aber nur die Schweißproduktion selber hemmen, die Ursache selbst kann er nicht hemmen. Salbei kann innerlich als Tee, aber auch äußerlich in der Badewanne aufgenommen werden.

Am einfachsten gestaltet sich sicher der Salbeitee. 1,5 bis zwei gehäufte Teelöffel von losem und getrocknetem Kraut werden mit 250 ml heißem, gekochten Wasser übergossen. Damit das Wasser die Inhaltstoffe gut aufnehmen kann, sollte der Tee ungefähr sieben bis zehn Minuten ziehen. Auch kann man Salbei in Verbindung mit Zitronenmelisse und Hopfen zubereiten (Nein, kein Bier). Diese Mischung ist nicht nur hilfreich gegen Schwitzen, sondern wirkt zugleich beruhigend. Deshalb wird sie auch sehr oft in anderen Bereichen verwendet. Ein Salbeibad sollte höchstens nur einmal am Tag erfolgen und die Füße sollten nicht länger als 10 Minuten im Bad bleiben. Dazu werden etwa zwei bis drei Gramm getrocknetes Kraut mit etwa zwei Liter Wasser übergossen und für etwa zehn bis 15 Minuten stehen gelassen.

Ätherische Öle 

Gegen vermehrtes Schwitzen werden vor allem die ätherischen Öle von Salbei, Citronella, Rose, Rosenholz, Thuja und Zypresse empfohlen, zum Beispiel als Zusätze in Bädern, Duschcreme und Hautcreme. Sie können auch einen Fußbalsam nehmen und zwei bis vier Tropfen Fichten-, Kiefer-, Rosmarin-, Lemongras- oder Teebaumöl dazu mischen.

 

YOLO FAZIT

Ja übermäßiges Schwitzen ist für uns unangenehm und wir schämen uns für den Geruch, aber wir brauchen den Schweiß zum Regeln unserer Körpertemperatur. Aber es gibt Gott sei Dank Mittel und Wege die Beschwerden zu vermindern. Wir fassen zusammen:

  • Körpergewicht normalisieren
  • ausgewogene Ernährung
  • regelmäßig körperliche Aktivität
  • gute Körperhygiene
  • luftdurchlässige Kleidung aus Naturmaterialien
  • oder speziell feuchtigkeitsableitenden Stoffe
  • Scharfes Essen meiden
  • Viel Trinken, möglichst keinen Kaffee
  • Genussmittel einschränken
  • Kneipp’sche Anwendungen
  • Salbei oder ätherische Öle ausprobieren

 


Quellen:

  • Schaal S., et al., Der Mensch in Zahlen, 4. Auflage. Springer Verlag 2016
  • Junker T, Die Evolution des Menschen. Verlag C.H. Beck 2018
  • Österreichische Gesellschaft für Dermatochirurgie (ÖGDC): Hyperhidrose
  • Ichinose-Kuwahara., et al., Experimental Physiology, 2010, volume 95, issue 10, page 1026
  • Bechara FG., et al., Krankhaftes Schwitzen. Verlag W. Kohlhammer 2009
  • Schmiedel, V.: Natürlich gesund! Das Selbstbehandlungsbuch, Georg Thieme Verlag, 2009

 

Wissenwertes für Sie

Dr. Google, was hab‘ ich denn?

Wir Menschen haben gelernt alles digital zu machen, daher ist es auch mittlerweile normal geworden nach Symptomen und Krankheitsbildern in Google einzutippen. Dazu schmeißen wir meist einfach Stichwörter in die Suchmaschine. Doch könnte die persönliche digitale Ferndiagnose mit Dr. Google uns sogar schaden?