Hanfpflanze, daneben hält offensichtlich ein Arzt, welcher im Hintergrund ersichtlich ist, ein Fläschchen mit Hanföl
07.10.2020

Superpflanze Hanf: 9 Fakten über
Hanf, die Sie überraschen werden

Text: Ursula Mitteregger

In Sachen alternative Heilmethoden wird über wohl kein anderes Thema so kritisch diskutiert, wie über Hanf. Gilt er doch seit jeher als Suchtmittel. Dabei kann er offensichtlich so viel mehr: Bereits vor tausenden von Jahren wurde Cannabis zur Behandlung körperlicher Beschwerden wie Übelkeit und Schmerzen sowie bei Verbrennungen verwendet. Und auch in vielen anderen Bereichen wurde er gewinnbringend eingesetzt. Wir verraten Ihnen neun spannende Fakten über Hanf, die Sie noch nicht wussten.

1. Auch Leonardo da Vinci verwendete Hanf

Um die immense Bedeutung von Hanf, der den lateinischen Namen Cannabis sativa L. trägt, zu verstehen, lohnt sich ein Blick in die Kulturgeschichte. Denn archäologisch gilt es als belegt, dass Hanf bereits rund 6.000 Jahre lang als Heil- und Nutzpflanze verwendet wird – und das auf äußerst vielfältige Weise: Von seiner ältesten nachgewiesenen Nutzung als Faserabdruck auf Keramiken der Yangshao-Kultur in China, über die Nutzung als Papier bis hin zu Segel, Taue und Textilien. Hanf diente sogar in Form von Hanfsamenöl als Grundlage vieler Farben und Lacke. So verwendete zum Beispiel Leonardo da Vinci Anfang des 16. Jahrhunderts für seine Mona Lisa eine Leinwand aus Hanf und Farben auf der Basis von Hanfsamenöl. Auch die amerikanische Unabhängigkeitserklärung aus dem Jahr 1776 wurde auf Hanfpapier gedruckt.

2. Cannabis ist ein fixer Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), die zum Ziel hat, die Balance in Körper und Geist wiederherzustellen, wird Cannabis vielseitig eingesetzt und gilt darin als eines der 50 grundlegenden Kräuter. Vor allem die Hanfsamen dienen dazu, Beschwerden wie Übelkeit, Migräne, Schmerzen und Verbrennungen zu lindern. Der Einsatz von Cannabis in der TCM wird umso deutlicher, wenn man versteht, dass Cannabis im Körper genauso wirkt, wie es die TCM zum Ziel hat: Nämlich die Körpersysteme wieder in Balance zu bringen.

Der irische Arzt William Brook O’Shaughnessy war es letztlich, der die therapeutische Anwendung von Hanf im Jahr 1839 auch in die westliche Medizin einführte. Um 1900 wurde Hanf in der medizinischen Praxis der USA für die Behandlung vieler Krankheiten eingesetzt. Mehr als 20 verschreibungspflichtige Medikamente waren erhältlich.

3. Nicht alle Bestandteile von Hanf wirken berauschend

Der sogenannte Marihuana Tax Act von 1937 hat den Konsum und Verkauf von Hanf in den USA verboten. Damit wollte man dem Missbrauch der Pflanze als Droge Einhalt gebieten. Jedoch wurden damit auch die Erforschung von Cannabis und dessen Nutzung zur Gesundheitsförderung erheblich beschränkt. Erst in den letzten Jahren beginnt sich das Blatt zu wenden. Hanf wird zunehmend differenzierter betrachtet. Er ist vor allem wegen der berauschenden Wirkung seines Hauptbestandteils THC (steht für Tetrahydrocannabinol) in Verruf geraten. Im Jahr 1963 wurde jedoch sein zweiter Hauptbestandteil, CBD (steht für Cannabidiol), erstmals identifiziert, der für die Gesundheit viel bedeutsamer ist. Denn er löst, wie THC, einen therapeutischen, gesundheitsfördernden Effekt aus, wirkt dabei aber im Gegensatz zu THC nicht berauschend.

4. Die Power von Hanf ist weiblich

Hanf ist eine sogenannte zweihäusige Pflanze, was bedeutet, dass es männliche und weibliche Pflanzen gibt. Die primären Wirkstoffe befinden sich im Harz, das auf und um die weiblichen Blüten produziert wird. Die Hauptbestandteile des Harz sind THC und CBD, aber auch zahlreiche andere Cannabinoide und sogenannte Terpene, die für das Aroma von Hanf verantwortlich sind.

CBD wirkt u. a. nachweislich schmerzstillend, appetitzügelnd, angstlösend, entzündungshemmend, antioxidativ und krampflösend. So kann es zur unterstützenden Behandlung einer Vielzahl von Erkrankungen und Beschwerden eingesetzt werden, beispielsweise Epilepsie, Schlafstörungen, Morbus Parkinson, Morbus Alzheimer, Asthma, Allergien, Schmerzen, Entzündungen und Tumore. Aber auch bei Hautkrankheiten, Übelkeit und Erbrechen, Diabetes, Menstruationsbeschwerden und Migräne hat der Einsatz von CBD bereits nachweislich positive Wirkung gezeigt.

5. CBD kann das Abnehmen unterstützen und wirkt stark antioxidativ

Für die Fitness- und Gesundheitsbranche wird CBD immer bedeutsamer, denn Studien haben nachgewiesen, dass Cannabidiol sogenanntes weißes Fett, das gesundheitsschädigend ist, in entzündungshemmendes, gewichtsreduzierendes und herzschützendes braunes Fett umwandelt, was beim Abnehmen unterstützend wirken kann. 

Auch in der Schönheits- und Kosmetikindustrie boomt der Wirkstoff. Durch die antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften von CBD soll er eine gesunde und jugendlich aussehende Haut unterstützen. Nichts Außergewöhnliches? Von wegen, denn es zeigte sich, dass die Antioxidantien in CBD stärker sind als die Vitamine E und C. Außerdem regt CBD die Zellerneuerung an, reguliert die Talgdrüsen und wirkt beruhigend auf die Haut.

Hautcremes mit Hanföl machen die Haut nicht nur geschmeidig, sondern beugen auch vorzeitiger Hautalterung vor.
Hautcremes mit Hanföl machen die Haut nicht nur geschmeidig, sondern beugen auch vorzeitiger Hautalterung vor.

6. CBD alleine wirkt nur schwach

Wissenschaftler fanden heraus, dass isolierte Cannabinoide, sogenannte Reinsubstanzen, alleine weniger (positiv) wirken, als in ihrem Zusammenspiel miteinander. Es wurde deutlich, dass die gewünschte Wirkung von CBD oft nur durch die Kombination einzelner Cannabinoide eintreten kann. Aber auch, dass Cannabinoide die Wirkung von Medikamenten verstärken oder deren Nebenwirkungen abschwächen können. Der Neurologe Ethan Russo fasste diese Besonderheit 2011 erstmals unter dem Begriff „Entourage-Effekt“ zusammen. Wenn wir uns vor Augen führen, dass im Hanf bisher 1.064 chemische Substanzen, 421 chemische Verbindungen und 144 Phytocannabinoide nachgewiesen wurden, also eine beachtliche Menge an möglichen Wirkungsweisen, die dadurch entstehen können. 

7. Ihr Körper produziert Cannabinoide ganz von selbst 

Diese Tatsache über Hanf ist derzeit noch wenig verbreitet. Um zu verstehen, warum Cannabis im Körper so breit und gut wirkt, kommt das sogenannte Endocannabinoid-System (ECS) ins Spiel, das jeder von uns in sich trägt. Es ist ein sehr komplexes und ausgeklügeltes SOS-System, das immer dann aktiv wird, wenn uns etwas herausfordert – oder negativ ausgedrückt stresst. Seien es Lärm, Kälte, Hitze, Licht oder zwischenmenschliche Konflikte: Das körpereigene (= endo) Cannabinoid-System wird sofort aktiv und zielt darauf ab, uns wieder zurück ins Gleichgewicht (die Homöostase) zu bringen. Dazu produziert unser Körper Cannabinoide, die zahlreiche Körperfunktionen regeln. Das Spannende: Sämtliche Endocannabinoide sind kurzlebig und werden sofort wieder abgebaut, sobald das SOS-Signal gesendet wurde. Sie dienen quasi als Wächter und ihre Funktion besteht allein darin, das Signal auszusenden, die Körperfunktionen wieder in Richtung eines optimalen Gleichgewichts zu bewegen.

8. THC und CBD wirken nur zusammen wirklich gut

Neben der Zusammensetzung ist auch die Dosis entscheidend, wenn es um die optimale Wirkungsweise von Cannabinoiden geht. Denn klar ist, dass THC der „bad cop“ unter den Cannabinoiden ist und in einer falschen Dosierung zu Angstzuständen, Paranoia und verstärkten Entzündungen führen kann. In der richtigen Dosierung hat THC jedoch viele therapeutische Vorteile: Es kann Schmerzen und Entzündungen lindern sowie Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen bei Krebstherapien mildern. Außerdem kann es das Tumorwachstum begrenzen und dem Immunsystem dabei helfen, einen Tumor zu erkennen und zu zerstören.

Auch CBD hat entzündungshemmende Eigenschaften. Bei THC und CBD werden sie jedoch jeweils auf unterschiedliche Weise erreicht. Folglich ist die Wirkung am besten, wenn THC und CBD zusammenarbeiten. Daher sollte bei der medizinischen Behandlung mit Hanf der Fokus darauf liegen, ein soweit wie möglich ausgewogenes Spektrum von Cannabinoiden zu erreichen, um eine Krankheit so effektiv und effizient wie möglich zu behandeln.

9. Hanf als Booster fürs Immunsystem

Bezogen auf das Immunsystem fanden Forscher heraus, dass sowohl THC als auch CBD – wenn man sie isoliert arbeiten lässt – die Funktion des Immunsystems hemmen. Wie lassen sich dann also die vielen positiven Effekte von Hanf auf die Gesundheit erklären? Das erfahren Sie in unserer ersten YOLO-Ausgabe.

Darin gehen wir außerdem der Frage auf den Grund, ob Hanf tatsächlich ein „Superfood“ ist und zeigen, warum es gerade für Fitnesssportler besonders gut geeignet ist. Lesen Sie hier in der YOLO-Printausgabe weiter.


Quellen:

  • Hanf Magazin, Glasmann, Dieter Klaus, 9.8.2018, Cannabis in der Traditionellen Chinesischen Medizin
  • Bagar, Tanja Dr. (2019): Die Hanf Medizin, Wie Hanf bei Schmerzen, Rheuma, Krebs und Stress hilft, Kneipp Verlag Wien
  • Leinow Leonard, Birnbaum Juliana (2019): Heilen mit CBD, Das wissenschaftlich fundierte Handbuch zur medizinischen Anwendung von Cannabidiol, riva Verlag München
  • Thurner, Alexander, Bettina & Patrick (2018): Heilender Hanf, Cannabis – die wiederentdeckte Naturmedizin, Kneipp Verlag Wien – Graz – Klagenfurt
  • Schöggl, Matthias Mag. pharm., 27.11.2019, CBD Vital, Anti-Aging: Glatte und jugendliche Haut durch CBD

 

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