Kopfschmerz dargestellt mit einem 3D neon Körper, der sich auf das schmerzende Gehirn greift.
07.10.2020

Kopfweh verzieh dich!

Text: Verena Radlinger

Kopfschmerz hat wohl jeder schon einmal erlebt. Das Gewitter im Kopf zeigt sich in unterschiedlichsten Formen und wird von jedem anders wahrgenommen. Die häufigste Form, die Migräne, belastet nicht nur körperlich sondern auch psychisch. Erfahren Sie, wie Sie mit dem Mutterkraut, einer uralten Heilpflanze, dagegen ansteuern können.

Jeder Zehnte in Österreich ist von Migräne betroffen. Die schmerzhaften und oft kaum auszuhaltenden Attacken werden durch verschiedenste sogenannte Trigger ausgelöst. In der Medizin kennt man bereits rund 200 verschiedenen Kopfschmerzarten. Hat der Kopfschmerz keine bestimmte Ursache wird er als primärer Kopfschmerz bezeichnet. Ist er Folge einer Erkrankung oder Verletzung spricht man von den sekundären Kopfschmerzen. Die häufigsten Arten sind Spannungskopfschmerzen, Migräne und Cluster-Kopfschmerzen.

Die Ursachen für primäre Kopfschmerzen sind noch nicht eindeutig erforscht, aber es wurden bereits Risikofaktoren identifiziert. Diese sind zum Beispiel eine genetische Veranlagung, die Änderung des Tag-Nacht-Rhythmus, beispielsweise bei einem Jetlag, das Auslassen von Mahlzeiten oder übermäßiger Stress. Bekannte Auslöser für Cluster-Kopfschmerzen sind Alkohol oder der Aufenthalt in großer Höhe. Bei den Sekundären sind die Ursachen meist harmlos, wie zum Beispiel Erkältungen, muskuläre Verspannungen oder der Kopf dröhnt von zu viel Alkohol am Vortag. Bei Frauen kann der Menstruationszyklus und die dadurch ausgelösten Hormonschwankungen ein Auslöser sein. Experten sehen den Grund in der Überreaktion der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin und auf den darauffolgenden Abfall des Östrogenspiegels. Auch Schwermetalle stehen in Verdacht, durch das Auslösen von zu hohem Stress zur Entstehung von Kopfschmerzen beizutragen.

Sehr selten werden Kopfschmerzen von schwereren Erkrankungen ausgelöst, wie etwa ein zu hoher Blutdruck, erhöhter Augeninnendruck (Glaukom), eine Hirnhautentzündung (Meningitis) oder ein Gehirntumor. Sind diese behandlungsbedürftigen Krankheiten Auslöser treten aber nahezu immer Begleitsymptome oder zusätzliche Beschwerden beziehungsweise Auffälligkeiten auf.

Mein Kopf explodiert gleich! So beschreiben viele eine Migräneattacke und wissen nicht wann es wieder soweit ist!
Mein Kopf explodiert gleich! So beschreiben viele eine Migräneattacke und wissen nicht wann es wieder soweit ist!

Migräne oder nicht?

Der Spannungskopfschmerz wird von Betroffenen meist als ein dumpf-drückender, leichter bis mittelschweren Schmerz im gesamten Kopf beschrieben. Der aber im Gegensatz zur Migräne bei körperlicher Anstrengung nicht zunimmt. Tendenziell sind Frauen häufiger betroffen. Meist treten Spannungskopfschmerzen beidseitig auf und werden sehr oft von muskulären Verspannungen im Nacken-/Schulterbereich ausgelöst. Stress, Schlafmangel, Wetterfühligkeit, Erkältungskrankheiten, Konsum von Alkohol oder Nikotin, Medikamenteneinnahme sind weitere mögliche Auslöser der oft quälenden Schmerzen. Der Schmerz zeigt sich auch hier, wie fast immer, bei jedem Menschen anders. Die einen beschreiben ihn als stechend, bohrend, pulsierend und viele mehr. Die Dauer einer Attacke kann beim Spannungstyp von Minuten bis zu Tagen variieren. Als häufig gilt aber eine Frequenz von ein bis maximal 14 Attacken pro Monat. Meist beginnen die Beschwerden im jungen Erwachsenenalter. Wenn an mindestens 15 Tagen pro Monat über einen Zeitraum von 12 Wochen hinweg Kopfschmerzen bestehen spricht man von einer chronischen Erkrankung.

Der traurige Spitzenreiter der häufigsten Kopfschmerzarten ist aber unangefochten die Migräne. Alleine in Österreich leiden rund 1 Million Menschen an Migräne. Der pulsierende, meist einseitige Kopfschmerz, hält stunden- oder tagelang an. Nach der Definition der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft hält eine Migräneattacke zwischen 4 und 72 Stunden an. Bei chronischer Migräne gibt es mehr Tage mit als ohne Kopfschmerzen pro Monat. Zum quälenden Schmerz einer Attacke kommt häufig Licht-, Geruchs- oder Lärmüberempfindlichkeit, Übelkeit und Erbrechen. Bei 10 bis zu 30 Prozent der Patienten gehen dem Migräneanfall Wahrnehmungsstörungen voraus. Dabei kommt es zu Lichtblitzen oder Flimmern, Störungen der optischen Wahrnehmung, Wortfindungsproblemen, Kribbeln oder Taubheit an einer Körperseite oder Schwindel. Vor allem Frauen im jungen und mittleren Erwachsenalter sind davon betroffen. Zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr sind Frauen bis zu dreimal häufiger betroffen als Männer. Betroffene haben einen enormen Leidensdruck denn eine Migräne tritt meist unvermutet auf oder kann sich entweder langsam über Stunden verschlimmern.

 

Eine Migräne kann sich in zwei Formen zeigen:

1. Migräne mit Aura

Etwa 15 bis 20 Prozent aller Migräne-Patienten leiden an einer Migräne mit Aura, die häufig mit beispielsweise Gesichtsfeldeinschränkungen oder einseitige Sensibilitätsstörungen, die oft den Arm und/oder Anteile des Gesichts (Lippen, Zunge, Gaumen, Wange) betreffen. Im schlimmsten Fall kann sogar eine leichte Sprachstörung auftreten. Treten diese Symptome auf setzen die Kopfschmerzen während oder innerhalb von 60 Minuten ein.

2. Migräne ohne Aura

Im Gegensatz zu einer Migräne mit Aura beginnt diese Form häufig langsamer, dauert länger und ist für die Betroffenen meist belastender. Sie ist mit großem Abstand die häufigste Form der Migräne und wird meistens als einseitige oder einseitig schmerzhaftere beschrieben. Besonders hervorzuheben sind der pochende, klopfende oder pulsierende Charakter wie auch die Zunahme der Schmerzen im Zusammenhang mit körperlichen Routineaktivitäten. Begleitet werden die Kopfschmerzen stets von weiteren Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Überempfindlichkeit gegenüber Licht, Lärm und Gerüchen sowie fakultativ auch zahlreichen anderen Beschwerden, wie Ruhebedürfnis, Schläfrigkeit, Konzentrationsstörungen, großem Durst, Verstopfung, Frösteln und viele mehr.

Eine Migräneattacke mit leichten bis mittelgradigen Schmerzen kann mit rezeptfreien Wirkstoffen behandelt werden, wie Aspirin & Co.
Eine Migräneattacke mit leichten bis mittelgradigen Schmerzen kann mit rezeptfreien Wirkstoffen behandelt werden, wie Aspirin & Co.

Was wirklich gegen Kopfschmerz hilft

Leichte bis mittelstarke Schmerzen können mit den herkömmlichen Schmerzmitteln gut behandelt werden. Dazu zählen zum Beispiel Paracetamol, Ibuprofen, Acetylsalicylsäure, Diclofenac oder eine vom Arzt definierte Kombination. Können diese die Schmerzen nicht lindern kommen Triptane zum Einsatz. Zuerst muss hier gesagt werden, dass oft mehrere verschiedene Arten ausprobiert werden müssen, bis das passende gefunden ist. Wie bei vielen Therapien ist es individuell welches am Besten anspricht. Dennoch haben Triptane eine gute Wirksamkeit und was noch wichtiger ist geringe Nebenwirkungen.

Wie bereits erwähnt, ist eine Abklärung durch den Arzt sehr wichtig. Zusätzlich zu einer medikamentösen Therapie gibt es aber auch unzählige Alternativen, die die Lebensqualität steigern können. Einige davon sind auch wissenschaftlich belegbar. Nichtmedikamentöse Behandlungsmöglichkeiten wie die Massage der Schläfen mit ätherischem Pfefferminzöl oder das Auftragen von durchblutungsfördernden, wärmenden Salben im Nackenbereich können zur Linderung der Schmerzen beitragen. Regelmäßige Sporteinheiten, Entspannungsübungen, ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit sowie gesunder, erholsamer Schlaf leisten einen wertvollen Beitrag in der Prophylaxe von Kopfschmerzen. Ebenso gilt das für die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, Biofeedbackverfahren wie das Vasokonstriktionstraining, die kognitive Verhaltenstherapie beim Psychologen und Sporttherapie (Ausdauerbelastung). Mehr zu Entspannungstechniken gibt es in unserer YOLO-Printausgabe vom 9. Oktober 2020.

Dagegen ist ein Kraut gewachsen – das Mutterkraut

Experten und Fachgesellschaften haben eine Reihe von Kriterien festgelegt, bei denen Betroffenen eine medikamentöse Prophylaxe empfohlen wird. Meist kommen hier Betablocker, Kalziumantagonisten, Antiepileptika sowie Antidepressiva zum Einsatz. Von besonderer Bedeutung für viele sind aber nichtmedikamentöse Alternativen. 

Dazu gehört zum einen das Vermeiden von Triggerfaktoren, die zum Beispiel mit dem Migräne Tagebuch identifiziert werden können. Zum anderen kann das Mutterkraut (Tanacetum parthenium) eine wirkungsvolle pflanzliche Alternative sein. Sie zeigte in mehreren Studien eine gute Wirksamkeit bei Migräne. Anzahl und Schwere der Anfälle konnten deutlich reduziert werden. Außerdem verbesserten sich Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Schwindel und Erbrechen. Das Mutterkraut entfaltet seine Wirkung zielgerichtet, in den Blutgefäßen im Kopf, wo Migräne entsteht. Dafür sind drei positive Effekte verantwortlich:

  1. Mutterkraut wirkt frühzeitig, noch bevor der Schmerz beginnt.
  2. Es hemmt die Erweiterung der Blutgefäße.
  3. Dadurch verhindert das Mutterkraut bestimmte Entzündungsvorgänge, die die Schmerzen bei Migräne verursachen.
Mutterkraut ist eine alte Heilpflanze, die mittlerweile zur Vorbeugung von Migräne medizinisch anerkannt ist.
Mutterkraut ist eine alte Heilpflanze, die mittlerweile zur Vorbeugung von Migräne medizinisch anerkannt ist.

Quellen:


 

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