Qigong mit Angela Cooper vor einem Wasserfall
07.01.2021

Ausgleich finden mit Qigong

Text: YOLO Online-Redaktion

„Qigong ist meine große Liebe“, mit diesen Worten beschreibt Qigong-Ausbildnerin Angela Cooper ihre Beziehung zu der chinesischen Meditations-, Konzentrations- und Bewegungsform „Qigong“. YOLO erzählt sie, was es damit auf sich hat und wie Körper und Geist in Einklang gebracht werden.

Wie war Ihr persönlicher Weg zu Qigong?

Eine Liebe zur Bewegung hatte ich schon mein ganzes Leben und seit ich denken kann, war mein Traumberuf, Tänzerin zu werden. Mit 20 Jahren habe ich dann angefangen, Zeitgenössischen Tanz zu studieren, was in dieser Hinsicht doch schon als spätes Alter angesehen wird. Mein großes Glück war, dass meine Lektoren alternativen Bewegungsformen wie Qigong, Yoga oder Feldenkrais sehr offen gegenüberstanden. Deshalb konnten wir während des Studiums viele verschiedene Arten der Bewegung und auch Ausgleichsmethoden ausprobieren. Das war aber alles Teil der Ausbildung und vermischte sich mit dem Tanz, sodass ich viele Formen gar nicht so bewusst wahrgenommen habe.

Was passierte als Sie das erste Mal mit Qigong in Berührung kamen?

Als ich Qigong zum ersten Mal gesehen habe, wollte ich es sofort ausprobieren. Vorrangig, weil es so schön war mit den geschmeidigen und anmutigen Bewegungen. Zu dieser Zeit litt ich unter starken Erschöpfungserscheinungen und ich hatte das Gefühl, als ob ich ausbrennen würde. Da hat mir Qigong gesundheitlich extrem gutgetan und ich konnte wieder enorm viel Energie sammeln und die wohltuende Wirkung nicht nur für den Körper, sondern auch für Geist und Seele spüren. Ich war richtig überrascht, dass Qigong so eine Wirkung hatte. Schließlich wollte ich es ja grundsätzlich nur ausprobieren, weil ich es so schön fand.

Warum glauben Sie, dass Qigong seine positive Wirkung so schnell entfaltet?

Ich glaube, der wichtigste Aspekt sind die drei Säulen des Qigong. Diese sind Körper, Atem und Geist. Das Ziel dieser Körperregulation ist es, den Körper geschmeidig zu halten, Verspannungen zu lösen und Verbindungen im Körper zu spüren. Es wirkt auf die Akupunkturpunkte und durch die fließenden Bewegungen entsteht ein entspannendes und gleichzeitig aktivierendes Gefühl. Außerdem wird der Atem beim Qigong langsamer und tiefer und die Vorstellungskraft, also der Geist, wird trainiert. Je intensiver ich mich mit Qigong beschäftigt habe, umso mehr wollte ich auch die Hintergründe verstehen. Vor allem auch, weil es mir selbst unheimlich viel Kraft gegeben hat.

In Ihrem Portfolio finden sich zahlreiche Aus- und Weiterbildungen auf den verschiedensten Gebieten. Warum war Ihnen das so wichtig?

Ich war von der außergewöhnlichen Wirkung von Qigong sehr überrascht und wollte die Hintergründe und einfach alle Aspekte, die hier einwirken, verstehen. Dadurch habe ich mich auch viel mit Traditioneller Chinesischer Medizin, kurz TCM, beschäftigt und zusätzlich zu den Qigong-Ausbildungen auch eine TCM-Ausbildung absolviert. Ich wollte es einfach umfassend und ganzheitlich verstehen. Außerdem kann ich so auch meinen Schülerinnen und Schülern viel mehr mit auf den Weg geben. Seit 20 Jahren unterrichte ich jetzt Qigong und habe mittlerweile den Fokus auf die Ausbildung meiner Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu Qigong-Lehrenden gelegt. Sie unterrichten nach der Ausbildung also selbst Qigong. Es wird von ihnen sehr geschätzt, auch die Hintergründe zu lernen und dadurch Qigong in seiner ganzen Vielfalt besser zu verstehen und damit auch besser unterrichten zu können.

Sie beschreiben in Ihrer Masterthesis die Wichtigkeit des Yin-Yang-Haushaltes. Was hat es damit auf sich?

Kommt die Balance zwischen Yin und Yang aus dem Gleichgewicht, kann sich das in schweren Erschöpfungserscheinung zeigen und sogar zu einem Burn-Out führen. Ein Burn-Out fängt nach dem Modell, das ich in meiner Masterthesis entwickelt habe, mit der Schwächung des Yin, des ruhenden Pols, an und führt zuletzt zu einer Schwächung des Yang, des aktiven Pols in uns. Der Yin-Yang Haushalt ist der große Rahmen über unsere körperlichen, geistigen und seelischen Fähigkeiten, aber auch für das allgemeine Wohlbefinden.

Können Sie die beiden Elemente näher beschreiben?

Um dieses System besser zu verstehen, kann man sich die Schriftzeichen näher ansehen. In der TCM sieht man im Schriftzeichen für Yin – ein bisschen vereinfacht dargestellt – einen Berg mit Wolken, die sogenannte dunkle Seite des Berges und beim Yang einen Berg mit Sonne, also die Sonnenseite des Berges. Gemeinsam sind sie also der gesamte Berg. Die dunkle Seite steht für Nacht und ist die ruhende Kraft. Die helle Seite steht für den Tag und die Aktivität und ist damit die aktive Kraft. Sind sie in Balance, entsteht eine schöne ausgeglichen Welle – mit einer runden Auf-und-ab-Bewegung. In der Phase des Yang sind wir leistungsfähig, aktiv, besteigen vielleicht sogar mit Freundinnen einen Berg und arbeiten im besten Fall mit Begeisterung. In der Yin-Phase sammeln wir wieder Energie, indem wir entspannen, loslassen, tief und fest schlafen und haben so in der Yang-Phase wieder die Kraft, die wir brauchen.

Was passiert bei einem Ungleichgewicht?

Die Phasen zeigen sich dann nicht mehr in einer schönen, weichen Welle, sondern schießen mit hohen Spitzen auf und ab. Wir haben das Gefühl, dass wir übermäßig viel leisten müssen und brennen restlos aus. Wir werden übermäßig erschöpft und fallen tief und rasant in die Yin-Phase. Diese bringt uns in der Folge aber keine Erholung mehr und wir haben bald Probleme beim Schlafen beziehungsweise uns überhaupt zu entspannen. Umso länger dieser Zustand anhält, umso mehr flachen die Kurven vollkommen ab und zeigen sich in einer nahezu geraden Linie. Wir können nichts mehr leisten und nicht mehr entspannen, dadurch fühlen wir uns erschöpft und kommen aus dieser Situation nur mehr schwer heraus.

Warum hat Qigong so einen großen Einfluss auf diese Balance?

Jede Übung im Qigong hat einen Yin- und einen Yang-Aspekt. So entsteht in jeder Bewegung ein Ausgleich zwischen den beiden Elementen. Der Punkt am Übergang nennt sich Taiji, in diesem Moment sind Yin und Yang eins. Dieser fließende und sanfte Übergang ist der Kern einer jeden Bewegung. Bei vielen anderen Sportarten sind der ruhende und aktivierende Aspekt getrennt. Man steigt dabei sofort in die leistungsfähige Phase und kommt erst danach wieder zur Ruhe. Bei Qigong hat man beide Aspekte in jeder einzelnen Bewegung.

Mittlerweile haben Sie eine eigene Qigong-Akademie, sind TCM-Energetikerin, halten auch international Ausbildungen und Seminare ab sowie Vorträge bei Kongressen und schreiben gleichzeitig an einem Buch. Wird Ihnen das nicht manchmal zu viel?

Nein, denn ich habe das große Glück, einen Beruf zu haben, der mir Spaß macht und mir so viel zurückgibt. Es ist eine Bewegungs- Atem- und Meditationskunst, die so intensiv wirkt und die jeder machen kann, von fit bis untrainiert, von jung bis betagt. Außerdem schöpfe ich ja auch selbst Kraft daraus. Zudem darf ich jeden Tag mit sehr herzlichen und offenen Menschen arbeiten. Ich finde es phantastisch, dass so viele meiner Absolventinnen und Absolventen inzwischen selber erfolgreich Qigong auf hohem Niveau unterrichten und damit wiederum anderen Kraft und Freude schenken und sie dabei unterstützen, gesund und glücklich zu leben. Das ist für mich das größte Geschenk!

Das gesamte Interview können Sie in unserer aktuellen Print-Ausgabe lesen, hier geht's lang!

 

Angela Cooper, MBA

  • zertifizierte IQTÖ-Qigong-Ausbilderin
  • Diplom-Qigong-Lehrerin, Diplom-Entspannungstrainerin
  • Diplom-Tanzpädagogin, Diplom-TCM-Energetikerin
  • diplomierte psychologische Beraterin
  • Vorstandsmitglied der Interessensvertretung für Qi Gong-, Taiji Quan- und Yi Quan (IQTÖ)

Mehr zu Angela Cooper und Ihrer Akademie finden Sie auf ihrer Website, auf Instagram und Facebook!

 

Angela Cooper, hier und im Headerbild zu sehen, liebt und lebt Qigong.
Angela Cooper, hier und im Headerbild zu sehen, liebt und lebt Qigong.

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